Zurück entnommen aus der Magdeburger Volksstimme online 06.09.2003

    Teil 13 der Volksstimme-Serie "50 Jahre Sportschule Magdeburg"
    Fußballer mit Höhen und Tiefen

    Hans-Georg Moldenhauer (r.). hier mit Magdeburgs "Sport"-Chef Rüdiger Koch, war der erste namhafte Fußballer, der die KJS besuchte. Foto: Jens Wolf


    Magdeburg - Das Sportgymnasium Magdeburg,
    hervorgegangen aus der Kinder- und Jugendsportschule
    (KJS), wird am 1. September ein halbes Jahrhundert
    alt. Willi Olfert (66), mit 46 Schuljahren der dienstälteste
    Lehrer, blickt heute auf die Entwicklung im Fußballsport
    zurück.

     

     

     


    M
    agdeburg. Obwohl die Sportart Fußball zu den populärsten in der DDR gehörte, fand sie auf Geheiß der Sportführung jahrelang keine offizielle Berücksichtigung an den KJS. Ausnahmen bestätigen jedoch die (Sport-) Regel. So erwies sich 1956 die Aufnahme Hans-Georg Moldenhauers, eines schlaksigen, vielseitigen, sportlichen und schulischen 14-jährigen Talents, als ein Zufalls- und Glückstreffer, besonders auch aus heutiger Sicht. "Ich habe vor allem von der soliden breiten Grundausbildung durch die Sportlehrer Rene Martinek und Herbert Aquila und schulisch von den Lehrern Lotte Dominik, Ernst Schulze und Vogt profitiert", will der viel beschäftigte, promovierte Vizepräsident des DSB, DFB und Präsident des NOFV dankbar erwähnt wissen. "Molli" war der erste Jugend-Nationalspieler der Schule, eine feste Größe bei den Olympiatrainern sowie eine zuverlässige Persönlichkeit als jahrelanger Stammtorwart des SC Aufbau/1. FCM.

    In seinen wichtigen Funktionen setzte er sich in der Nachwendezeit für das Fortbestehen vieler Sportschulen in den neuen Ländern ein. Aus der eigenen Erfahrung und mit kompetentem aktuellen Wissen trat er Meinungen entgegen, dass "die Sportschulen nichts weiter als Drillmechanismen mit staatlicher Färbung" gewesen seien. Moldenhauers Bestrebungen erhielten Unterstützung durch die soliden fußballerischen Leistungen in den bundesdeutschen Ligen u.a. von Dirk Heyne, Heiko Bonan, Rene Schneider, Stefan Minkwitz, Maik Franz, Marcel Maltritz aus Magdeburger Sicht und darüber hinaus u.a. von Mathias Sammer, Ulf Kirsten und Michael Ballack als sächsische KJS-Absolventen.

    Der Einzelkämpfer Moldenhauer erlebte dann erst nach seiner Schulzeit den Beginn einer neuen Fußball-Ära. Seit 1961 sorgten Manfred Zapf, Günter Reinke, Jürgen Geschke, Erich Tenneberg und Jürgen Sparwasser für Furore. 1963 und 1964 schmückten sie sich bereits mit dem DDR-Juniorenmeistertitel, was Jürgen Pommerenke, Martin Hoffmann, Dietmar Hempel, Dirk Heine, Holger Bahra und Dirk Stahmann ebenfalls im Nachwuchsbereich fortsetzten.

    Titel und Medaillen Anfang der 60er Jahre

    Schon im folgenden Jahr glänzte der 17-jährige Sparwasser in der DDR-Junioren-Auswahl mit dem Gewinn der Goldmedaille beim UEFA-Turnier. Damit begann seine bemerkenswerte nationale und internationale Karriere, die in der Nationalmannschaft bei 53 Länderspielen und 15 Toren 1977 endete und in dem legendären Tor gegen den späteren Weltmeister BRD 1974 in Hamburg gipfelte. "Spari" dachte in einem aufschlussreichen, sehr lockeren Gespräch gern an seine magdeburgische Schulzeit zurück: "Die KJS war für mich das Sprungbrett auf die internationale Bühne. Besonders Direktor Herbert Wahrendorf, meine Klassenlehrerin Edith Thomczyk, die mich öfter mit frischen Erdbeeren verwöhnte, Chemielehrer Karl-Heinz Stephan, das tolle Klassenkollektiv und die Internatserzieher gaben mir ein zweites Zuhause." Jetzt fühlt sich der jahrelang an der PH Magdeburg in der Sportwissenschaft lehrende Sparwasser im Frankfurter Raum wohl.

    Sparwasser und Co. folgte eine ganze Reihe talentierter Kicker, die den sehr guten Ruf des Nachwuchses der Elbestadt durch Erfolge bei den Junioren-WM und den Jugendwettkämpfen der sozialistischen Länder weiter aufpolierte. Kurt Holke, "Anti" Kümmel und Hans Kapitza als Trainer sowie die unermüdlichen TZ-Übungsleiter mögen stellvertretend für viele "Talententwickler" genannt werden. Sie und andere schufen die Grundlagen, dass die DDR-Olympia-Auswahl 1972 in München mit Zapf, Sparwasser und Pommerenke den dritten Platz, 1976 in Montreal mit Martin Hoffmann (66facher Nationalspieler) die Goldmedaille und 1980 mit Wolfgang Steinbach den Silberrang in Moskau erkämpfen konnte.

    Europapokalsieg war der größte Erfolg

    Eine riesige Euphorie löste 1974 mit dem einzigen Europacup-Sieg im DDR-Fußball Stolz und Freude unter der Schüler- und Lehrerschaft aus. Dem international hochgeschätzten Trainer Heinz Krügel war dieser Husarenstreich auch durch die frühzeitige Integration blutjunger Spieler aus dem hiesigen Einzugsbereich in die Mannschaft gelungen. Das betraf die Schulabsolventen Zapf, Detlev Raugust, Klaus Decker, Detlev Enge, Sparwasser und Pommerenke.

    Der Erziehungs- und Bildungsprozess hatte durch die gute Zusammenarbeit mit den Lehrern und Erziehern der Schule, vertreten besonders durch Anne Plock, Egon Wetschke und Jochen Hänisch und durch die Leitung des 1. FCM mit Herbert Groth, Herbert König, Günter Behne und Ulrich Kammrad reife Früchte getragen.

    Viele Pokalsiege, Meistertitel und Platzierungen machten die Magdeburger Spieler begehrenswert. Anfang der 90er Jahre kehrte eine fast komplette bundesligataugliche Mannschaft den heimatlichen Gefilden den Rücken gen Westen. Geänderte finanzielle Rahmenbedingungen brachten den Leistungsfußball auch an der Schule in eine schwierige Situation. Dort hatte 1990 Horst Papenmeier den seit 1985 amtierenden Peter Wichmann als Schulleiter abgelöst. Die neuen Strukturen erforderten einen völlig anderen und ungewohnten Schulablauf, so dass statt des fast täglichen Vormittagstrainings nun nur noch zwei bis vier Stunden in dieser Zeit möglich waren. Dennoch hofften zunächst ca. 100 Jungen vergeblich auf diese fußballspezifischen Stunden.

    Während es in der Zusammenarbeit des neuen Schulleiters mit dem SCM-Chef Bernd-Uwe Hildebrandt gelang, durch Neueinstellungen bzw. durch Erhalt der Stellen im Sportgymnasium die SCM-Sportarten noch vertretbar minimiert zu erhalten, schien die FCM-Leitung kaum zu agieren.

    Als ein Glückslos erwies sich in diesem Zeitraum der sehr beliebte Rehabilitations- und Athletiktrainer Jürgen Bodendorf. Der einstige Leichtathletiklehrer der Schule sprang freiwillig in die Bresche, übernahm die Vormittagsstunden, um sie mit fachlichem Geschick und vielseitigen abwechslungsreichen Inhalten zu einer echten Herausforderung werden zu lassen.

    In der schnelllebigen Wendezeit "verschliefen" die Fußballverantwortlichen die Einstellung einer Fachlehrkraft für ihre Sportart. Schließlich schloss der Fußball-Landesverband mit dem agilen Stendaler Ludwig Posorski, dem auch Pommerenke, Hoffmann und Mathias Pape zur Seite standen, diese Lücke. Bleibt die Hoffnung, dass viele der talentierten Mädchen und Jungen in Magdeburg lange sesshaft bleiben.

    Von Willi Olfert

    (LRMD)

     
     
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